| Veranstaltung: | KjG Bundeskonferenz 2026 |
|---|---|
| Tagesordnungspunkt: | 1. Anträge |
| Status: | Beschluss |
| Beschlossen am: | 30.05.2026 |
| Antragshistorie: | Version 2 |
Medienkompetenz und Plattformregulierung statt Verbote - Kinder und Jugendliche brauchen sichere digitale Räume!
Beschlusstext
Als Katholische junge Gemeinde (KjG) sprechen wir uns gegen ein pauschales
Verbot von Social-Media für Kinder und Jugendliche aus und schließen uns den
Positionen des BDKJ-Bundesverbands[1] an.
Die Perspektiven von Kindern und Jugendlichen werden bei der politischen Debatte
um ein Social-Media-Verbot kaum bis wenig berücksichtigt. Die Realität ist
jedoch, dass Kinder und Jugendliche in einer digitalen Lebenswelt aufwachsen, in
der analoge und digitale Räume nicht mehr voneinander zu trennen sind. Auch eine
Befragung des Bundesverband der Arbeiterwohlfahrt (AWO) unter jugendlichen
Internet-Nutzer*innen kommt zu dem Ergebnis, dass ein generelles Social-Media-
Verbot für unter 16-Jährige zu kurz greift und Probleme mit Blick auf
Jugendschutz nicht löst[2]. Dabei sehen wir, dass soziale Medien durch ihre
strukturellen Eigenschaften digitale Räume schaffen, in denen problematische
Inhalte besonders sichtbar werden und sich Desinformation, Hassrede sowie Gewalt
leichter verbreiten können. Dadurch entstehen Gefährdungsräume, in denen
Täter:innen Gewalt an Kindern und Jugendlichen einfacher ausüben können [3].
Darüber hinaus steht intensive und unreflektierte Social-Media-Nutzung in
Zusammenhang mit psychischen Belastungen wie erhöhtem Stress, Angststörungen,
Depressionen oder einem verminderten Selbstwertgefühl [4]. Es ist jedoch nicht
die bloße Nutzung sozialer Medien allein ausschlaggebend [5]. Entscheidend sind
vielmehr die konkreten problematischen Plattformdesigns wie Dark Patterns oder
sogenannte Adictive Designs die gezielt auf lange Nutzungszeit und
wiederkehrende Interaktionen ausgelegt sind. Die Debatte sollte daher nicht
ausschließlich zwischen Verbot und uneingeschränkter Nutzung geführt werden.
Maßnahmen wie Alterskontrollen, die für die Umsetzung eines Social-Media-Verbots
notwendig wären, würden darüber hinaus tief in die Privatsphäre eingreifen, da
dafür private Kommunikation überwacht und sensible Daten erhoben werden müssten.
Dies löst nicht die strukturellen Probleme der Plattformen. Um den Schutz von
Nutzer*innen zu verbessern, braucht es eine altersübergreifende Medienkompetenz
und Medienbildung, die bereits im Kindesalter beginnt. Gleichzeitig braucht es
deutlich stärkeren politischen Druck auf die Social-Media-Unternehmen, damit
diese ihre Produkte sicherer gestalten und ihrer Verantwortung gegenüber jungen
Nutzer*innen nachkommen.
Kinder und Jugendliche haben nicht nur ein Recht auf Schutz, sondern auch ein
Recht auf Teilhabe. Und dieses Recht gilt ausdrücklich auch in digitalen
Räumen[6]. Junge Menschen brauchen sichere Orte, in denen sie sich informieren,
austauschen, beraten und vernetzen können. Die Trendstudie "Jugend in
Deutschland 2026" macht deutlich, wie stark junge Menschen von
gesellschaftlichen Belastungen betroffen sind[7]. Gerade deshalb brauchen junge
Menschen keine Verbote, sondern digitale Räume, die ihnen Teilhabe, Austausch
und Unterstützung ermöglichen.
- Keine pauschalen Verbote: Kinder und Jugendliche brauchen sichere digitale
Räume, um sich informieren, austauschen und entwickeln zu können.
Pauschale Social-Media-Verbote greifen zu kurz, weil sie weder Risiken
wirksam reduzieren noch Teilhabe ermöglichen.
- Verantwortung von Social-Media-Plattformen: Die Politik muss Social-Media-
Unternehmen stärker in die Verantwortung nehmen, damit diese ihre
Plattformen sicherer gestalten. Geltende Regelungen wie der Digital
Services Act[8] müssen konsequent umgesetzt werden. Ohne politischen Druck
werden Plattformen ihrer Verantwortung gegenüber jungen Nutzer*innen nicht
gerecht. Außerdem müssen Meldemöglichkeiten für problematische oder
strafbare Inhalte niedrigschwellig bekannt gemacht werden und personelle
Ressourcen in der Strafverfolgung gestärkt werden, damit Verstöße
konsequent verfolgt werden können.
- Verbot von Dark Patterns und Addictive Designs: Wir setzen uns für ein
Verbot von Plattformdesigns ein, die Nutzer*innen manipulieren und
suchtartiges Nutzungsverhalten fördern.
- Stärkung von Medienkompetenz und Medienbildung: Medienkompetenz und
Medienbildung müssen systematisch gestärkt werden, damit Kinder und
Jugendliche Räume selbstbestimmt nutzen können. Dazu braucht es
altersgerechte Angebote, die Themen wie Missbrauch von personenbezogenen
Daten, Falschinformationen, digitale Risiken und psychische Belastungen
ebenso berücksichtigen wie Teilhabemöglichkeiten.
- Stärkung von Erziehungsberechtigten und Bildungseinrichtungen:
Erziehungsberechtigten kommt eine große Verantwortung in der Medienbildung
zu. Vielfach wird die Basis für Regeln und Umgang mit Medien in der
Erziehung im häuslichen Umfeld gelegt. Hierfür braucht es Maßnahmen, die
Erziehungsberechtigte befähigen und unterstützen diese Verantwortung
wahrzunehmen. Darüber hinaus muss sowohl schulische als auch
außerschulische Bildung darauf ausgerichtet werden, jungen Menschen zu
einem sicheren Umgang mit sozialen Netzwerken zu befähigen.
- Beteiligung von Kindern und Jugendlichen: Kinder und Jugendliche müssen in
die politische Debatte über Social Media einbezogen werden. Ihre
Perspektiven, Erfahrungen und Bedarfe sind unverzichtbar, um wirksame und
lebensnahe Lösungen zu schaffen. Bei der Entwicklung und Ausarbeitung
müssen Kinder und Jugendliche beteiligt werden, da sie Expert*innen ihrer
eigenen digitalen Lebenswelt sind. Dabei ist es wichtig, jungen Menschen
nicht pauschal fehlendes Wissen zuzuschreiben. Solche Zuschreibungen
entwerten ihre Perspektiven und verhindern echte Beteiligung.
- Einbringen der Position in Politik, Kirche und Gesellschaft: Der KjG-
Bundesverband bringt diese Position aktiv in Diskurse ein. Wir nutzen
unsere Strukturen, Netzwerke und Gremien, um die Perspektiven von Kindern
und Jugendlichen sichtbar zu machen und uns klar gegen pauschale Verbote,
sowie für sichere digitale Räume einzusetzen.
- Berücksichtigung im Schwerpunktthema „psychische Gesundheit“: Das Thema
digitale Lebenswelten wird in der Bearbeitung des Schwerpunktthemas
„psychische Gesundheit“ konsequent mitgedacht. Wir berücksichtigen dabei
sowohl die Chancen digitaler Räume als auch die Belastungen, die junge
Menschen erleben.
- Die KjG Bundesebene erarbeitet eine Handreichung, die für die KjG-Arbeit
vor Ort Orientierung
im Umgang mit Smartphones und Social-Media während Aktionen und Freizeiten
bietet. Dabei sollen Perspektiven von Kindern und Jugendlichen, Best-
Practice-Beispiele aus der verbandlichen Praxis und Methoden zur
partizipativen Gestaltung von Regeln berücksichtigt werden.
- Kritische Auseinandersetzung mit der eigenen verbandlichen Nutzung: Die
KjG-Bundesebene reflektiert kritisch unsere eigene verbandliche Social-
Media-Nutzung und unseren eigenen Internetauftritt. Dabei stellen wir uns
Fragen nach Sinnhaftigkeit, Vorbildfunktion und Verantwortung: Welche
Inhalte wollen wir teilen? Wie gehen wir mit Fotos von Kindern und
Jugendlichen um? Wie können wir unsere eigene Nutzung sicherer und
bewusster gestalten? Welche Social-Media-Plattformen wollen wir nutzen?
Die Ergebnisse aus dieser Auseinandersetzung werden aktiv mit den unteren
Ebenen geteilt.
[1]https://www.bdkj.de/fileadmin/bdkj/bdkj/gremien/hauptversammlung/hv2026/Besch-
luesse/B4_Kein_Social_Media_Verbot__Sichere_digitale_Teilhabe_fuer_junge_Mensche-
n..pdf; https://www.bdkj.de/aktuelles/artikel/sichere-raeume-gerechte-teilhabe-
bdkj-fordert-klare-regeln-fuer-soziale-netzwerke
[3]https://www.bmbfsfj.bund.de/bmbfsfj/aktuelles/pressemitteilungen/sexualisiert-
e-de/bmbfsfj/aktuelles/pressemitteilungen/sexualisierte-gewalt-und-hassinhalte-
gefaehrdungen-fuer-kinder-und-jugendliche-im-netz-nehmen-zu-
265090?utm_source=copilot.com
[4] Naslund, J.A., Bondre, A., Torous, J. et al. Social Media and Mental Health:
Benefits, Risks, and Opportunities for Research and Practice. J. technol. behav.
sci. 5, 245–257 (2020). https://doi.org/10.1007/s41347-020-00134-x
[5] Avci, H., Baams, L. & Kretschmer, T. A Systematic Review of Social Media Use
and Adolescent Identity Development. Adolescent Res Rev 10, 219–236 (2025).
https://doi.org/10.1007/s40894-024-00251-1
[7]https://cdn.prod.website-
files.com/6729ed5c5e23342c69e72a11/69c0fc91e3d6c3e8d81a2c0c_PRESSEMITTEILUNG%20T-
rendstudie%20Jugend%20in%20Deutschland%202026.pdf
