| Antrag: | KjG gegen Fundamentalismus - für eine Kirche ohne Angst |
|---|---|
| Antragsteller*in: | BL |
| Status: | Geprüft |
| Eingereicht: | Gestern, 11:57 |
Ä7 zu A2: KjG gegen Fundamentalismus - für eine Kirche ohne Angst
Nach Zeile 67 einfügen:
- spirituelle Angebote zu fördern und auszubauen, die einen selbstbestimmten, vernunftbegabten Glauben fördern;
Demokratie als Grundhaltung
Als KjG stehen wir für eine demokratische, solidarische und vielfältige
Gesellschaft und Kirche. Die Würde jedes Menschen, die Freiheit des Gewissens
und die gleichberechtigte Teilhabe aller sind für uns Ausdruck unseres
christlichen Menschenbildes.
Christlicher Glaube und demokratische Werte gehören zusammen.
Religiöse Praxis, die Menschen unter Druck setzt, ihre Freiheit einschränkt oder
ihnen die eigenständige Gewissensentscheidung abspricht, widerspricht unserem
Verständnis von christlicher Jugendarbeit¹.
Als KjG stellen wir uns deshalb klar gegen Demokratiefeindlichkeit,
Autoritarismus und jede Form gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit¹.
Fundamentalismus und seine Folgen
Religiöser Fundamentalismus zeigt sich unter anderem durch
Absolutheitsansprüche, die Ablehnung von Pluralismus, starre religiöse
Auslegungen und autoritäre Strukturen.
Besonders problematisch ist, wenn dadurch:
- Selbstbestimmung und freie Gewissensentscheidungen eingeschränkt werden,
- Geschlechterrollen und ein enges Familienbild vorgeschrieben werden,
- queere Menschen, Feminismus oder sexuelle Selbstbestimmung abgewertet
werden,
- gesellschaftliche Vielfalt als Bedrohung dargestellt wird oder
- Angst, Schuld und Abhängigkeiten entstehen.
Solche Inhalte verbreiten sich zunehmend auch über Social-Media. Dabei können
religiöse, gesellschaftliche und politische Positionen miteinander verbunden
werden. Teilweise bestehen Überschneidungen mit rechtspopulistischen und
extremen Rechten Strukturen¹.
Wir sehen deshalb eine besondere Verantwortung darin, junge Menschen zu
befähigen, solche Inhalte kritisch einzuordnen
Kirche muss ein Ort ohne Angst sein
Kirche und insbesondere kirchliche Jugendarbeit müssen Räume sein, in denen
junge Menschen sich sicher fühlen, Fragen stellen, zweifeln und ihren Glauben
selbstbestimmt leben können.
Macht darf nicht dazu genutzt werden, Menschen einzuschüchtern oder abhängig zu
machen. Insbesondere bei geistlicher Begleitung und seelsorglichen Angeboten
braucht es klare Grenzen zwischen Seelsorge, geistlicher Begleitung und
therapeutischer bzw. medizinischer Behandlung.
Praktiken, bei denen psychische Prozesse als rein geistliche Phänomene gedeutet
werden oder Menschen durch religiöse Deutungen unter Druck geraten, lehnen wir
ab².
Unsere Verantwortung als KjG
Als KjG wollen wir:
- fundamentalistischen und demokratiefeindlichen Tendenzen klar
widersprechen,
- Bildungsangebote zu Demokratie, Fundamentalismus, Rechtsextremismus und
geistlichem Missbrauch fördern,
- junge Menschen für problematische religiöse Inhalte in sozialen Medien
sensibilisieren,
- Machtstrukturen und geistlichen Missbrauch kritisch thematisieren,
- Betroffene von Diskriminierung und Menschenfeindlichkeit unterstützen und
- unsere eigenen Strukturen regelmäßig auf Macht, Teilhabe und
Abhängigkeiten überprüfen.
Unsere Forderungen an die DBK
Wir fordern die Bischöfe dazu auf:
- bestehende Kooperationen mit Gruppen und Initiativen auf
fundamentalistische, demokratiefeindliche oder menschenfeindliche
Tendenzen zu überprüfen;
- klare Kriterien für Kooperationen und Förderungen zu entwickeln, die
Demokratie, Menschenwürde, Vielfalt und den Schutz vor geistlichem
Missbrauch berücksichtigen;
- Kooperationen zu beenden, wenn diese Kriterien nicht erfüllt werden;
- öffentlich Stellung zu beziehen, wenn christliche Inhalte für
Menschenfeindlichkeit, Rechtsextremismus oder Demokratiefeindlichkeit
instrumentalisiert werden;
- kirchliche Mitarbeitende und Ehrenamtliche zu Fundamentalismus,
Rechtsextremismus und geistlichem Missbrauch fortzubilden;
- bei seelsorglichen und geistlichen Angeboten verbindliche fachliche
Standards und Schutzkonzepte sicherzustellen;
- spirituelle Angebote zu fördern und auszubauen, die einen selbstbestimmten, vernunftbegabten Glauben fördern;
- junge Menschen stärker an kirchlichen Entscheidungen und der Gestaltung
kirchlicher Angebote zu beteiligen³.
Für uns als KjG gilt:
Christlicher Glaube darf niemals eine Begründung für Ausgrenzung sein.
Demokratie, Menschenwürde, Vielfalt und Selbstbestimmung gehören für uns zu
einer christlichen Haltung.
Wir stehen für eine KjG und eine Kirche ohne Angst.
¹ KjG-Bundeskonferenz 2023, Beschluss „KjG gegen Faschismus – Aus christlicher
Überzeugung für Demokratie“.
² KjG-Bundeskonferenz 2026, Beschluss „Kirche ohne Angst – Macht teilen,
Vielfalt leben, Seelsorge stärken“.
³ KjG-Bundesrat 2024, Beschluss „Bischöfe zeigt Haltung – kein Schulterschluss
mit Rechtsradikalen“; KjG-Bundeskonferenz 2026, Beschluss „Kirche ohne Angst –
Macht teilen, Vielfalt leben, Seelsorge stärken“.

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