| Veranstaltung: | Bundesrat Herbst 2026 |
|---|---|
| Tagesordnungspunkt: | 1. Anträge |
| Antragsteller*in: | KjG DV Speyer |
| Status: | Eingereicht |
| Eingereicht: | 17.09.2026, 22:31 |
A2: KjG gegen Fundamentalismus - für eine Kirche ohne Angst
Antragstext
Als KjG stehen wir für eine demokratische, solidarische und vielfältige
Gesellschaft und Kirche. Die Würde jedes Menschen, die Freiheit des Gewissens
und die gleichberechtigte Teilhabe aller sind für uns Ausdruck unseres
christlichen Menschenbildes.
Christlicher Glaube und demokratische Werte gehören zusammen.
Religiöse Praxis, die Menschen unter Druck setzt, ihre Freiheit einschränkt oder
ihnen die eigenständige Gewissensentscheidung abspricht, widerspricht unserem
Verständnis von christlicher Jugendarbeit¹.
Als KjG stellen wir uns deshalb klar gegen Demokratiefeindlichkeit,
Autoritarismus und jede Form gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit¹.
Religiöser Fundamentalismus zeigt sich unter anderem durch
Absolutheitsansprüche, die Ablehnung von Pluralismus, starre religiöse
Auslegungen und autoritäre Strukturen.
- Selbstbestimmung und freie Gewissensentscheidungen eingeschränkt werden,
- Geschlechterrollen und ein enges Familienbild vorgeschrieben werden,
- queere Menschen, Feminismus oder sexuelle Selbstbestimmung abgewertet
werden,
- gesellschaftliche Vielfalt als Bedrohung dargestellt wird oder
Solche Inhalte verbreiten sich zunehmend auch über Social-Media. Dabei können
religiöse, gesellschaftliche und politische Positionen miteinander verbunden
werden. Teilweise bestehen Überschneidungen mit rechtspopulistischen und
extremen Rechten Strukturen¹.
Wir sehen deshalb eine besondere Verantwortung darin, junge Menschen zu
befähigen, solche Inhalte kritisch einzuordnen
Kirche und insbesondere kirchliche Jugendarbeit müssen Räume sein, in denen
junge Menschen sich sicher fühlen, Fragen stellen, zweifeln und ihren Glauben
selbstbestimmt leben können.
Macht darf nicht dazu genutzt werden, Menschen einzuschüchtern oder abhängig zu
machen. Insbesondere bei geistlicher Begleitung und seelsorglichen Angeboten
braucht es klare Grenzen zwischen Seelsorge, geistlicher Begleitung und
therapeutischer bzw. medizinischer Behandlung.
Praktiken, bei denen psychische Prozesse als rein geistliche Phänomene gedeutet
werden oder Menschen durch religiöse Deutungen unter Druck geraten, lehnen wir
ab².
- fundamentalistischen und demokratiefeindlichen Tendenzen klar
widersprechen,
- Bildungsangebote zu Demokratie, Fundamentalismus, Rechtsextremismus und
geistlichem Missbrauch fördern,
- junge Menschen für problematische religiöse Inhalte in sozialen Medien
sensibilisieren,
- Machtstrukturen und geistlichen Missbrauch kritisch thematisieren,
- Betroffene von Diskriminierung und Menschenfeindlichkeit unterstützen und
- unsere eigenen Strukturen regelmäßig auf Macht, Teilhabe und
Abhängigkeiten überprüfen.
- bestehende Kooperationen mit Gruppen und Initiativen auf
fundamentalistische, demokratiefeindliche oder menschenfeindliche
Tendenzen zu überprüfen;
- klare Kriterien für Kooperationen und Förderungen zu entwickeln, die
Demokratie, Menschenwürde, Vielfalt und den Schutz vor geistlichem
Missbrauch berücksichtigen;
- Kooperationen zu beenden, wenn diese Kriterien nicht erfüllt werden;
- öffentlich Stellung zu beziehen, wenn christliche Inhalte für
Menschenfeindlichkeit, Rechtsextremismus oder Demokratiefeindlichkeit
instrumentalisiert werden;
- kirchliche Mitarbeitende und Ehrenamtliche zu Fundamentalismus,
Rechtsextremismus und geistlichem Missbrauch fortzubilden;
- bei seelsorglichen und geistlichen Angeboten verbindliche fachliche
Standards und Schutzkonzepte sicherzustellen;
- junge Menschen stärker an kirchlichen Entscheidungen und der Gestaltung
kirchlicher Angebote zu beteiligen³.
Christlicher Glaube darf niemals eine Begründung für Ausgrenzung sein.
Demokratie, Menschenwürde, Vielfalt und Selbstbestimmung gehören für uns zu
einer christlichen Haltung.
¹ KjG-Bundeskonferenz 2023, Beschluss „KjG gegen Faschismus – Aus christlicher
Überzeugung für Demokratie“.
² KjG-Bundeskonferenz 2026, Beschluss „Kirche ohne Angst – Macht teilen,
Vielfalt leben, Seelsorge stärken“.
Begründung
Fundamentalistische Gruppierungen und Personen (vorallem sogenannte Christfluencer) gewinnen, vor allem auf Social Media, eine immer stärkere Bedeutung.
Fundamentalistische Strukturen, Gruppierungen und Personen fallen vor allem durch folgende Punkte auf:
- Manipulation durch Angst & Ausübung von Druck auf Mitglieder
- Missbrauch der Bibel als unfehlbare, irrtumslose Autorität
Zusammenfassung in einfacher Sprache
Die KjG sagt: Christlicher Glaube und Demokratie gehören zusammen. Jeder Mensch hat die gleiche Würde. Alle Menschen sollen frei entscheiden können, wie sie leben und was sie glauben. Niemand soll wegen seiner Herkunft, seines Geschlechts, seiner sexuellen Orientierung oder anderer Eigenschaften ausgegrenzt werden.
Die KjG ist gegen Fundamentalismus und Demokratiefeindlichkeit. Problematisch wird Religion für die KjG dann, wenn Menschen unter Druck gesetzt werden oder ihnen vorgeschrieben wird, wie sie glauben und leben müssen.
Dazu gehört zum Beispiel, wenn feste Geschlechterrollen vorgeschrieben, queere Menschen oder Feminismus abgewertet, Vielfalt als Gefahr dargestellt oder Menschen durch Angst und Schuld abhängig gemacht werden.
Solche Ideen können sich auch über Social Media verbreiten. Deshalb möchte die KjG junge Menschen dabei unterstützen, solche Inhalte zu erkennen und kritisch zu hinterfragen.
Die KjG möchte eine Kirche ohne Angst. Junge Menschen sollen sich dort sicher fühlen. Sie dürfen Fragen stellen, zweifeln und selbst entscheiden, wie sie ihren Glauben leben.
Menschen mit Macht dürfen andere nicht einschüchtern oder abhängig machen. Außerdem sollen Seelsorge und geistliche Begleitung klare Grenzen haben: Psychische oder medizinische Probleme dürfen nicht einfach als religiöse oder geistliche Probleme behandelt werden.
Die KjG möchte sich gegen Fundamentalismus, Rechtsextremismus, Menschenfeindlichkeit und Demokratiefeindlichkeit stellen. Sie möchte junge Menschen darüber informieren, Betroffene von Diskriminierung unterstützen und über geistlichen Missbrauch und problematische Machtstrukturen sprechen. Auch die eigenen Strukturen der KjG sollen regelmäßig kritisch überprüft werden.
Die Deutsche Bischofskonferenz soll genauer prüfen, mit welchen Gruppen die Kirche zusammenarbeitet und welche sie finanziell unterstützt. Für solche Kooperationen soll es klare Regeln geben, die Demokratie, Menschenwürde, Vielfalt und den Schutz vor geistlichem Missbrauch berücksichtigen.
Wenn Gruppen diese Regeln nicht erfüllen, sollen Kooperationen beendet werden. Außerdem sollen sich die Bischöfe öffentlich gegen die Nutzung des christlichen Glaubens für Rechtsextremismus, Menschenfeindlichkeit oder Demokratiefeindlichkeit stellen.
Kirchliche Haupt- und Ehrenamtliche sollen zu diesen Themen geschult werden. Für Seelsorge und geistliche Begleitung soll es klare Schutzregeln geben. Junge Menschen sollen außerdem stärker an Entscheidungen in der Kirche beteiligt werden.
Die wichtigste Aussage des Beschlusses ist: Für die KjG darf christlicher Glaube niemals dazu benutzt werden, Menschen auszugrenzen oder unter Druck zu setzen. Eine christliche Haltung bedeutet für die KjG Demokratie, Menschenwürde, Vielfalt und Selbstbestimmung.
