| Veranstaltung: | Bundesrat Herbst 2026 |
|---|---|
| Tagesordnungspunkt: | 1. Anträge |
| Status: | Beschluss |
| Beschlossen am: | 17.10.2026 |
| Antragshistorie: | Version 2 |
Kirche der Vielfalt statt christlicher Fundamentalismus
Beschlusstext
Als KjG stehen wir für eine demokratische, solidarische und vielfältige
Gesellschaft und Kirche. Die Würde jedes Menschen, die Freiheit des Gewissens
und die gleichberechtigte Teilhabe aller sind für uns Ausdruck unseres
christlichen Menschenbildes.
Christlicher Glaube und demokratische Werte gehören zusammen.
Religiöse Praxis, die Menschen unter Druck setzt, ihre Freiheit einschränkt oder
ihnen die eigenständige Gewissensentscheidung abspricht, widerspricht unserem
Verständnis von christlicher Jugendarbeit¹.Gerade in jüngerer Zeit erhielten die
Gefahren solcher Formen geistlichen Missbrauchs weitere Aufmerksamkeit. Dass die
Risiken solcher missbräuchlicher Handlungen in fundamentalistischen Strukturen,
Ideologien und Theologien besonders stark vertreten sind, gilt es grundsätzlich
zu benennen.
Als KjG stellen wir uns deshalb klar gegen Demokratiefeindlichkeit,
Autoritarismus und jede Form gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit¹.
Religiöser Fundamentalismus zeigt sich unter anderem durch
Absolutheitsansprüche, die Ablehnung von Pluralismus, starre religiöse
Auslegungen und autoritäre Strukturen.
- Selbstbestimmung und freie Gewissensentscheidungen eingeschränkt werden,
- Geschlechterrollen und ein enges Familienbild vorgeschrieben werden,
- queere Menschen, Feminismus oder sexuelle Selbstbestimmung abgewertet
werden,
- gesellschaftliche Vielfalt als Bedrohung dargestellt wird,
- wissenschaftsfeindliche Weltanschauungen verbreitet werden oder
Solche Inhalte verbreiten sich zunehmend auch über Social-Media. Dabei können
religiöse, gesellschaftliche und politische Positionen miteinander verbunden
werden. Teilweise bestehen Überschneidungen mit rechtspopulistischen und
extremen Rechten Strukturen.
Wir sehen deshalb eine besondere Verantwortung darin, junge Menschen zu
befähigen, solche Inhalte kritisch einzuordnen¹.
Kirche und insbesondere kirchliche Jugendarbeit müssen Räume sein, in denen
junge Menschen sich sicher fühlen, Fragen stellen, zweifeln und ihren Glauben
selbstbestimmt leben können.
Macht darf nicht dazu genutzt werden, Menschen einzuschüchtern oder abhängig zu
machen. Insbesondere bei geistlicher Begleitung und seelsorglichen Angeboten
braucht es klare Grenzen zwischen Seelsorge, geistlicher Begleitung und
therapeutischer bzw. medizinischer Behandlung.
Praktiken, bei denen psychische Prozesse als rein geistliche Phänomene gedeutet
werden oder Menschen durch religiöse Deutungen unter Druck geraten, lehnen wir
ab².
- fundamentalistischen und demokratiefeindlichen Tendenzen klar
widersprechen,
- Bildungsangebote zu Demokratie, sowie gegen Fundamentalismus,
Rechtsextremismus und geistlichen Missbrauch fördern,
- junge Menschen für problematische religiöse Inhalte in sozialen Medien
sensibilisieren,
- Machtstrukturen und geistlichen Missbrauch kritisch thematisieren,
- Betroffene von Diskriminierung und Menschenfeindlichkeit unterstützen,
- unsere eigenen Strukturen regelmäßig auf Macht, Teilhabe und
Abhängigkeiten überprüfen, sowie
- spirituelle Angebote schaffen, die einen selbstbestimmten Glauben fördern,
aus dem heraus wertebasierte Gewissensentscheidungen getroffen werden
können und der Vielfalt akzeptiert.
- bestehende Kooperationen mit Gruppen und Initiativen auf
fundamentalistische, demokratiefeindliche oder menschenfeindliche
Tendenzen zu überprüfen;
- klare Kriterien für Kooperationen und Förderungen zu entwickeln, die
Demokratie, Menschenwürde, Vielfalt und den Schutz vor geistlichem
Missbrauch berücksichtigen;
- Kooperationen zu beenden, wenn diese Kriterien nicht erfüllt werden;
- Gruppen oder Organisationen, die katholische Vereine sind oder die
Bezeichnung "katholisch" in ihrem Namen tragen und klar
fundamentalistische, demokratiefeindliche oder menschenfeindliche
Tendenzen aufweisen, aus der katholischen Kirche auszuschließen und ihnen
die Anerkennung zum Führen der Bezeichnung "katholisch" zu entziehen;
- konsequent weiterhin öffentlich Stellung zu beziehen, wenn christliche
Inhalte für Menschenfeindlichkeit, Rechtsextremismus oder
Demokratiefeindlichkeit instrumentalisiert werden (Fußnote siehe u.a.
Deutsche Bischofskonferenz, 2024, Erklärung zu völkischem Nationalismus
https://www.dbk.de/themen/erklaerung-zum-voelkischen-nationalismus);
- kirchliche Mitarbeitende und Ehrenamtliche zu Fundamentalismus,
Rechtsextremismus und geistlichem Missbrauch fortzubilden; Es benötigt
jetzt den Aufbau eigener Austiegsstrukturen, an die pastorales und
religionspädagogisches Personal gefährdete Personen verweisen kann.
- bei seelsorglichen und geistlichen Angeboten verbindliche fachliche
Standards und Schutzkonzepte sicherzustellen;
- spirituelle Angebote zu fördern und auszubauen, die einen
selbstbestimmten, vernunftbegabten Glauben fördern;
- junge Menschen stärker an kirchlichen Entscheidungen und der Gestaltung
kirchlicher Angebote zu beteiligen³.
Christlicher Glaube darf niemals eine Begründung für Ausgrenzung sein.
Demokratie, Menschenwürde, Vielfalt und Selbstbestimmung gehören für uns zu
einer christlichen Haltung.
¹ KjG-Bundeskonferenz 2023, Beschluss „KjG gegen Faschismus – Aus christlicher
Überzeugung für Demokratie“.
² KjG-Bundeskonferenz 2026, Beschluss „Kirche ohne Angst – Macht teilen,
Vielfalt leben, Seelsorge stärken“.
